Der Ford Consul 1,7 L


Ford Consul 1,7 L
 

Mein drittes Auto war zugleich auch das kultigste, was ich bis heute hatte.
Die Abbildung zeigt ihn in schnödem rot. Meiner war in Rehbraun-Metallic.

Der 1,7-Liter-Motor war ein V4- Aggregat. Warum Ford 4 Zylinder in V-Form baute, weiß ich nicht. Im Motorraum sah er jedenfalls etwas verloren aus. Der Kühler wurde mit "Luftleitblechen" so ca. 30cm in den Motorraum reinversetzt, damit er näher am Motor saß.

Als ich ihn bekam, hatte er gerade mal 72.000 km auf der Uhr und war aus zweiter Hand. Gebaut wurde er 1973. Meine Vorbesitzer hatten schon einiges daran gemacht. So waren z. B. die Türen scheinbar mit Beton ausgefüllt, sodass man ordentlich Schwung brachte, um die auf- oder zuzumachen. Dementsprechend musste ich während meiner 1-jährigen Bekanntschaft immerhin 3mal die Türsplinte auswechseln. Rost war kein Thema, so gut wurde er gepflegt.

Als ich ihn von meinem Schwager zur Probefahrt bekam, war die Kupplung so ziemlich am Ende. Beim einkuppeln einer der vier Gänge rutschte die Kupplung so stark, dass sich der Wagen so anhörte, als hätte er ein Automatikgetriebe. Dazu das Blubbern, das V-Motoren von sich geben, und das Blues-Mobil war perfekt...

Ich besaß den Wagen zu der Zeit, als ich dem Vaterland dienen musste. Da war das Geld naturgemäß nicht so reichlich vorhanden, dass ich mich großartig um die Erhaltung dieses Schmuckstückes kümmern konnte. So kam es wie es kommen musste: Er gammelte mir unter dem Allerwertesten weg. Es fing ganz harmlos an dem Loch für die Antenne an, ging dann weiter zu den Radläufen, die mit schlankem Chromzierrat verschönert waren.
Irgendwann entdeckte ich am Kotflügel eine kleine Rostblase unterm Lack. Als ich mit dem schleifen anfing, hatte ich auf mal ein etwa 5cm großes Loch drin. Wie der Wagen von unten aussah, wollte ich mir zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr antun, denn ich war mit der Bundeswehr fertig und verdiente nun wieder richtiges Geld.

Leider war mein neuer Arbeitsplatz ca. 80km weit entfernt. Das wollte ich dem Consul nicht mehr antun. Meinem Portemonnaie übrigens auch nicht: Er schluckte zwar im Schnitt nur 10 Liter auf 100km, bestand aber darauf, mit dem guten alten Super-Verbleit gefüttert zu werden.

Das war´s also. Jetzt musste er weg. Ich legte mir ein vernünftiges Auto (den Toyota Corolla) zu und stellte dem Händler den Consul auf den Hof, damit er den im Auftrag verkaufen soll. Nach zwei Wochen meldete sich jemand, der mir den Wagen für 1000 DM abnahm.

Einige Tage später sah ich mein altes Nummernschild an einem Wagen, der mit Unterbodenschutz angemalt war und einen riesigen weißen Stern auf jeder Tür hatte. Das war mein Consul! Ein weiteres Jahr ging ins Land und ich erfuhr, dass der Wagen auf einem örtlichen Schrottplatz gesichtet wurde..............